Das letzte Abendmahl

Die Stimmung ist schlecht!

Da sitzt man mit seiner Band nach stundenlanger Autofahrt im Backstage-Bereich und wartet auf das Catering und es kommt einfach nicht. Jeder ist für sich, jeder spielt mit dem Smartphone herum, es wird nicht geredet. Und genau das war die Initialzündung für das, was meine Interpretation des Meisterwerks „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci werden sollte.

Einige Wochen (und Mahlzeiten) später machte ich mich an die Arbeit, diese Bildidee umzusetzen. Mir war klar, dass das Ganze in einem ziemlichen Chaos enden könnte. Dreizehn Freunde zu finden, die Lust haben, sollte kein Problem sein. Eine passende Location aufzutreiben, könnte auch noch funktionieren. Aber der Gedanke, alle involvierten Personen zu EINEM GEMEINSAMEN Termin zusammenzubekommen, hat mir dann doch den Angstschweiß auf die Stirn getrieben.

Rund zwanzig Termine habe ich meinen Freunden vorgeschlagen. Und tatsächlich hatten meine dreizehn Gefährten nur an einem Tag (natürlich am heiligen Sonntag) gemeinsam Zeit.  Ein Problem weniger. Nun musste ich nur noch eine ausreichend große Location finden, die genau an diesem Tag frei ist. In Osnabrück gar nicht so einfach. Aber auch hier half mir das gute alte Vitamin B. Tom Heise von der Lagerhalle Osnabrück war bereit, uns den großen Saal in der Lagerhalle für ungefähr 2 Stunden zur Verfügung zu stellen. Perfekt! Jetzt konnte es losgehen. Am Samstag vor dem Shooting wurden noch die Requisiten besorgt, Smartphones und Tablets zurechtgelegt und am nächsten Morgen wurde die Lagerhalle gekapert.

Die Modelle trafen nach und nach ein, der Tisch wurde aufgebaut und ausgestattet, Gesichter wurden von der Freundin eines Kumpels gepudert, die ersten Lichttests wurden gemacht, die Weinflaschen geöffnet…und zum Teil geleert. Angenehmes Arbeitsklima und so.

Nach einer gewissen Zeit fiel mir jedoch auf, dass ein Jünger fehlte. Nach einem kurzen Chat war klar, dass der feine Herr nicht auftauchen würde. Tja, das war es dann wohl. Alles umsonst?! Gott sei Dank nicht. Die Freundin des Darstellers von Jacobus, dem Jüngeren bot sich an, die Rolle des fehlenden Apostels zu übernehmen. Und auch hier hatten wir Glück. Die Dame hatte nämlich eine Kurzhaarfrisur und geht auf den ersten Blick locker als männlicher Abendbrötler durch. Ich kam übrigens nicht umhin, sie an die Stelle des Jüngers Johannes zu setzten. Dan Brown-Leser wissen warum.

Nun wurden alle an ihre Position gesetzt, die Gesten durchgesprochen und schon wurde fotografiert.

Hier seht ihr eines der Bilder, die es in das finale Composing geschafft haben.

Um sicherzugehen, genug gutes Material für das Composing zu haben, hab ich letztendlich 63 Bilder von diesem Motiv angefertig. Verschiedene Posen, unterschiedliche Mimiken.

Nachdem alles im Kasten war, habe ich von den Aposteln als Dankeschön noch ein Porträt gemacht.

Total geschafft aber glücklich wurden die Requisiten zusammengepackt (oder gegessen), der letzte Wein getrunken, die Lagerhalle in den Ursprungszustand gebracht und ab ging es nach Hause vor den Rechner.

Rund 3 Stunden und 89 Photoshop-Ebenen später war dann das Bild fertig.

Es ist immer merkwürdiges Gefühl, wenn man viel Zeit, Geld und Arbeit in ein Projekt steckt und es dann plötzlich fertig ist. Zu Ende. Abgehakt. Eine gewisse Leere macht sich breit. Jedoch gepaart mit einer Prise Stolz und Enthusiasmus für weitere Projekte, die einem so durch den Kopf gehen und die umgesetzt werden wollen.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei allen Beteiligten bedanken! Ohne die wäre diese Bildidee nämlich nur eine Idee geblieben.

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